Geschichte der FCJ Schwestern von Ste Anne d'Auray, Morbihan, Frankreich,
von 1825 bis 1929

Ste Anne d’Auray ist ein Dorf, ca. 5 km von der Stadt Auray entfernt in der Diözese Vannes, Morbihan, Bretagne. Der Ort war bekannt für Bußwallfahrten  zur Ehre der hl. Anna, bis Lourdes der populärste Wallfahrtsort in Frankreich wurde. Bis heute ist Ste Anne d’Auray ein Ort des Gebetes, der zahlreiche Pilger in seinen Bann zieht.

Die Ehrwürdige Marie Madeleine d'Houet, Gründerin der FCJ Schwestern, wollte Besinnungstage für Menschen anbieten, und Ste Anne d’Auray war ein hervorragender Ort für diesen Dienst. Die ersten Schwestern kamen 1825 und begannen das Gemeinschaftsleben in einem kleinen Haus im Innenhof der Kirche. Die Unterkunft war so überfüllt (sie bestand aus einem Raum im Erdgeschoss und einem Dachboden), dass die Schwestern die Menschen in der Sakristei der Kirche empfangen mussten. Ihr Leben in Armut beeindruckte die lokale Bevölkerung zutiefst.

Im Jahre 1826 wurden auf dem Grundstück ein Haus und eine Kapelle errichtet. Die Schwestern erteilten den Mädchen des Dorfes Unterricht. Um Besinnungstage zu ermöglichen und Teilnehmende zu beherbergen, wurde die Hälfte einer Etage in kleine Zimmer unterteilt. Marie Madeleine besuchte den Ort mehrere Male während dieser Zeit und machte dort vor ihrer Abreise nach Rom 1826 achttägige Exerzitien. Die Jesuiten gewährten den Schwestern sehr viel geistliche Unterstützung.

Kurz nach ihrer Ankunft begannen die Schwestern, Land für einen einfachen Garten urbar zu machen. Mit der Zeit wurde dieser zu einem parkähnlichen Grundstück. Im Küchengarten und in der Wiese mit schön angelegten Wegen wuchsen viele Fruchtbäume, Büsche und Blumen. Am unteren Ende der Wiese floss ein kleiner Bach, über den drei Brücken führten, welche die Namen Heilige Engel, St. Anna und St. Johann trugen. Sie verdanken ihre Namen Pater Ferdinand Jeantier SJ, einem geschätzten Schützling von Marie Madeleine, der oft als Gast dort weilte. Ein See mit Namen Genezareth am Rand des kleinen Waldes vervollständigte die idyllische Anlage.

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1833 hatte Marie Madeleine die Freude, neun Novizinnen das Klostergewand zu übergeben. Weitere Kandidatinnen kamen. Allein im Jahr 1863 erhielten einunddreissig Postulantinnen das Klostergewand und dreissig Novizinnen legten ihre Gelübde ab.

Während dieser Anfangsjahre sandte Marie Madeleine die Kranken der Gemeinschaft nach Ste Anne, um sich in der guten Luft zu erholen oder um liebevoll umsorgt zu sterben.

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1888 starb Mutter Josephine Petit in Ste Anne d’Auray. Mutter Josephine war1858 Marie Madeleine als Generaloberin gefolgt. Sie arbeitete unermüdlich für die Gemeinschaft und während ihres dreissig Jahre dauernden Generalats war ste_anne_dauray_graveSte Anne ihr geliebtes Zuhause. Mutter Marie de Bussy, die Mutter Josephine ersetzte, machte Ste Anne auch zu ihrem Hauptsitz und liebte die friedliche und frohe Atmosphäre.

Das Haus und die Schule von Ste Anne waren bekannt als Orte der Freude und des Friedens. Aber um die Jahrhundertwende wurden anti-religiöse Gesetze in Kraft gesetzt. Im Sommer 1903 erkannten die Schwestern die drohende Gefahr für Ordensleute in der katholischen Bretagne. Tatsächlich mussten Ordensleute wegen der neuen Gesetzgebung anderswo Unterkunft suchen oder zu ihren Familien zurückkehren. Innerhalb von drei Jahren mussten auch die FCJ Schwestern und die Schülerinnen Ste Anne verlassen.

1905 hingen dunkle Wolken über Ste Anne. Der 21. Februar war als Feiertag für die Bischofsankunft in der Diözese gedacht, aber Regierungsbeamte wählten diesen Tag, um das Inventar der Basilika von Ste Anne aufzunehmen. 20 000 Bretonen versammelten sich, um die Basilika zu verteidigen. Die Beamten mussten sich zurückziehen. Die Ankunft des Bischofs wurde auf den 13. März verlegt, wo er dann während der Nacht eintraf. Am Ostersonntag von 1905 legte eine FCJ Novizin die Gelübde ab. Dies war die letzte derartige Feier für fast zwanzig Jahre in Ste Anne d'Auray.

Im Februar 1906 kam der Erlass zur Schliessung und im September, am Fest der heiligen Kreuzerhöhung, wurden das Internat und Noviziat aufgelöst. Die Schwestern waren voll Gottvertrauen; die Annalen von 1906 enden mit den Worten 'Laus Deo Semper'.

1919 kamen einige FCJ Schwestern zur Überwachung der Reparaturarbeiten am Gemeinschaftshaus zurück, dem einzigen Teil der Gebäude, den sie belegen durften. 1919 wurde das Noviziat wieder eröffnet und 1922 erfolgte die erste Zeremonie der Einkleidung und Ablegung der Gelübde. Allerdings verliessen die Novizinnen 1925 Ste Anne zum Leidwesen der Gemeinschaft. Versuche, ihre Tätigkeit wieder aufzubauen, waren erfolglos und die FCJ Schwestern beschlossen, sich zurückzuziehen.

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1929, das letzte Jahr in Ste Anne, erwies sich als sehr schwierig. Da keine Schülerinnen im Hause wohnten, wurden während des harten Winters Wasser, Feuer und Licht entzogen. Das Wasser musste bei jedem Wetter bei der Pumpe geholt werden und das einzige Licht kam aus Öllampen in der Kapelle und im Gemeinschaftsraum.

Es fand ein Dankgottesdienst in der Basilika von Ste Anne für die hundert Jahre treuen Dienstes der FCJ Schwestern statt. Als alles bereit war, wurden die Schlüssel den Töchtern des Heiligen Geistes übergeben, die die Schwestern ersetzten. Am Morgen des 21. September 1929 verliessen die FCJ Schwestern Ste Anne endgültig.

Das Kloster wurde anschliessend bekannt unter dem Namen Keranna (bretonischer Name für Haus der Anna) und ist heute ein Pflegeheim für die älteren und kranken Heilig-Geist-Schwestern.

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Für einen genaueren Bericht der FCJ Geschichte in Sainte Anne d'Auray bitte hier clicken.

 

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Als die gegenwärtige Kapelle 1876 erbaut wurde, schenkten Schülerinnen verschiedener FCJ Internate die Fenster. Einige dieser sehr schönen Fenster können Sie hier anschauen.

 

Die Treuen Gefährtinnen Jesu grüssen die Schwestern des Heiligen Geistes.
Während der letzten achtzig Jahre haben sie in Keranna ihre Mission ausgeführt.
Sie pflegen die FCJ Gräber und empfangen die FCJ Schwestern
bei ihren Besuchen mit grosser Gastfreundschaft.

Ad Majorem Dei Gloriam